Bei ZUGFeRD werden Version und Profil häufig verwechselt. Die Version bezeichnet den Stand der Spezifikation, Schemata, Geschäftsregeln und Codelisten. Das Profil legt fest, wie umfangreich die strukturierten Rechnungsdaten innerhalb dieser Version sind.
Eine Rechnung kann also beispielsweise ZUGFeRD 2.5 im Profil EN 16931 verwenden. „2.5“ und „EN 16931“ sind keine Alternativen, sondern zwei Ebenen derselben Formatbeschreibung.
Stand: August 2026. Das aktuelle FeRD-Paket ist ZUGFeRD 2.5 / Factur-X 1.09. Für bestehende Integrationen zählt immer, welche Versionen und Profile Sender, Empfänger und Validator tatsächlich unterstützen.
ZUGFeRD-Versionen von 1.0 bis 2.5
| Version | Einordnung | Bedeutung für neue Prozesse |
|---|---|---|
| ZUGFeRD 1.0 | historische erste Hauptversion vor der heutigen EN-16931-/Factur-X-Linie | nicht als Zielversion für neue E-Rechnungsprozesse wählen |
| ZUGFeRD 2.0 / 2.0.1 | Umstellung auf EN 16931 und gemeinsame technische Basis mit Factur-X | BMF nennt Versionen ab 2.0.1 grundsätzlich als geeignete E-Rechnungsformate, ausgenommen MINIMUM und BASIC WL |
| ZUGFeRD 2.1 bis 2.4 | Weiterentwicklung, Harmonisierung und aktualisierte Regeln/Codelisten | vorhandene Systeme können diese Versionen weiterhin antreffen; konkrete Kompatibilität prüfen |
| ZUGFeRD 2.5 | aktuelles Release vom 10. Juni 2026, technisch identisch zu Factur-X 1.09 | bevorzugter Stand für Neuimplementierungen; laut FeRD seit 1. Juli 2026 zu verwenden |
ZUGFeRD 2.5 basiert auf UN/CEFACT CII D22B und ist laut FeRD zu D16B rückwärtskompatibel. Das bedeutet nicht, dass jedes Altsystem neue Dateien automatisch korrekt verarbeitet. Parser, Schemata, Schematron-Regeln und Codelisten müssen weiterhin passend zur konkreten Datei ausgewählt werden.
Die fünf Profile in ZUGFeRD 2.5
| Profil | Strukturierter Inhalt | E-Rechnung nach BMF? | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| MINIMUM | wenige Kerndaten, nicht alle Rechnungsangaben strukturiert | nein | Buchungshilfe, nicht als gesetzliche E-Rechnung |
| BASIC WL | Kopf- und Summendaten ohne vollständige Positionsdaten | nein | Buchungshilfe, nicht als gesetzliche E-Rechnung |
| BASIC | strukturierte Standardrechnung mit Positionen | grundsätzlich ja | einfache B2B-Rechnungen ohne komplexe Erweiterungen |
| EN 16931 | vollständiger Kernumfang der europäischen Norm | ja | robuste Standardwahl für EN-16931-Prozesse |
| EXTENDED | EN-16931-Kern plus zusätzliche Felder und komplexere Geschäftsfälle | ja | branchenspezifische oder erweiterte Prozesse |
„Grundsätzlich ja“ ersetzt keine Prüfung des einzelnen Dokuments. Auch im passenden Profil kann eine Rechnung fehlerhaft sein, Pflichtangaben vermissen oder Geschäftsregeln verletzen. Profilwahl und Validierung gehören deshalb zusammen.
Welches Profil sollte man wählen?
BASIC
BASIC eignet sich für überschaubare Standardrechnungen, wenn die benötigten Kopf-, Summen- und Positionsdaten abgebildet werden. Vor einer Festlegung sollte geprüft werden, ob Empfänger, Branche oder nachgelagerter Prozess zusätzliche EN-16931-Felder verlangen.
EN 16931
EN 16931 ist die konservative Standardwahl, wenn eine vollständige Abdeckung des europäischen Kernmodells benötigt wird. Das Profil wird häufig auch als COMFORT bezeichnet; aktuell verwendet FeRD die Bezeichnung EN 16931.
EXTENDED
EXTENDED ergänzt Felder für komplexere Prozesse. Mehr Felder sind aber nur dann besser, wenn Sender und Empfänger dieselben Erweiterungen verstehen. Das Profil sollte nicht vorsorglich gewählt werden, wenn der Geschäftsvorfall mit EN 16931 vollständig darstellbar ist.
MINIMUM und BASIC WL
Beide Profile können Daten für Buchung oder Sichtprüfung liefern, erfüllen laut BMF aber nicht die Voraussetzungen der deutschen E-Rechnungspflicht. Eine PDF wird nicht dadurch zur gesetzlichen E-Rechnung, dass irgendein XML eingebettet ist; der strukturierte Teil muss die erforderlichen Rechnungsangaben enthalten.
Was ist mit dem Profil XRECHNUNG?
ZUGFeRD 2.1.1 führte ein Referenzprofil XRECHNUNG für deutsche Verwaltungsanforderungen ein. Das aktuelle gemeinsame ZUGFeRD-/Factur-X-Release umfasst dagegen fünf Profile ohne XRECHNUNG. Wer heute eine XRechnung erzeugen oder an eine Behörde senden muss, sollte die aktuelle eigenständige KoSIT-Spezifikation und die Vorgaben des Empfängers verwenden.
Stand August 2026 führt XStandards Einkauf XRechnung 3.0.2 als aktuelle Fassung. Das ist ein anderer Versionsstrang als ZUGFeRD 2.5. Der grundlegende Formatvergleich steht unter XRechnung versus ZUGFeRD.
Factur-X und ZUGFeRD: gleiche technische Version, andere Bezeichnung
FeRD und die französische FNFE-MPE entwickeln den Standard gemeinsam. ZUGFeRD 2.5 und Factur-X 1.09 sind technisch identisch und nutzen dieselben fünf Profile. Die unterschiedlichen Versionsnummern sind daher kein Hinweis auf inkompatible Formate.
Versionswechsel sauber betreiben
Für den produktiven Betrieb braucht es mehr als einen neuen Export-Schalter:
- Empfangsmatrix führen: Welche Versionen und Profile werden akzeptiert?
- Validierungsartefakte versionieren: Schema, Schematron und Codelisten müssen zur Datei passen.
- Testfälle verwenden: gültige, ungültige und grenzwertige Beispiele je Profil prüfen.
- Fehler nicht stillschweigend reparieren: Original erhalten, Befund dokumentieren und Korrekturprozess auslösen.
- Historie aufbewahren: Alte Rechnungen bleiben im Original; passende historische Prüfregeln ermöglichen spätere Nachvollziehbarkeit.
- Sender und Empfänger abstimmen: Rechtliche Eignung bedeutet nicht automatisch, dass der konkrete Partner jedes Profil akzeptiert.
Wie SALinvoice unterschiedliche strukturierte und unstrukturierte Eingänge zusammenführt, beschreibt Rechnungsformate verarbeiten.
Offizielle Quellen
- FeRD – ZUGFeRD 2.5 / Factur-X 1.09: aktuelles Release, technische Basis und fünf Profile.
- Bundesfinanzministerium – FAQ zur obligatorischen E-Rechnung: Einordnung von ZUGFeRD ab 2.0.1 und Ausschluss von MINIMUM/BASIC WL.
- XStandards Einkauf / KoSIT – XRechnung-Versionen und Bundles: aktueller eigenständiger XRechnung-Versionsstand.