XRechnung und ZUGFeRD tauchen im Zusammenhang mit der E-Rechnungspflicht ständig gemeinsam auf – als wären sie dasselbe. Sind sie aber nicht. Beide erfüllen die gesetzlichen Anforderungen, doch technisch sind sie sehr unterschiedlich aufgebaut.
Der Kern in einem Satz
XRechnung ist reines XML. ZUGFeRD ist eine PDF mit eingebettetem XML. Alles andere folgt aus diesem einen Unterschied.
XRechnung: reine Daten
Eine XRechnung ist eine XML-Datei – ein strukturierter Datensatz ohne visuelle Aufbereitung. Öffnet man sie ohne passendes Programm, sieht man nur Code, keine klassische Rechnung.
- Vorteil: maximal maschinenlesbar, eindeutig, schlank.
- Nachteil: ohne Viewer für Menschen kaum zu lesen.
- Typischer Einsatz: Rechnungen an öffentliche Auftraggeber, bei denen XRechnung vorgeschrieben ist.
ZUGFeRD / Factur-X: das Beste aus beiden Welten
ZUGFeRD (in der deutsch-französischen Variante Factur-X) ist ein hybrides Format: Eine ganz normale PDF-Datei trägt die strukturierten Rechnungsdaten als eingebettetes XML in sich.
- Vorteil: Menschen sehen die gewohnte PDF-Ansicht, Maschinen lesen das XML.
- Nachteil: etwas größer; bei maschineller Verarbeitung muss das XML aus der PDF extrahiert werden.
- Typischer Einsatz: B2B-Rechnungen, bei denen die sichtbare Ansicht den Umstieg erleichtert.
So ist eine ZUGFeRD-Datei aufgebaut
Technisch ist eine ZUGFeRD-Datei eine PDF/A-3-Datei — ein Archivformat, das das Einbetten weiterer Dateien erlaubt. Genau das nutzt ZUGFeRD: In der PDF steckt eine XML-Datei mit sämtlichen Rechnungsdaten, in aktuellen Versionen heißt sie factur-x.xml.
rechnung-2026-0815.pdf ← sichtbare Rechnung (PDF/A-3)
└─ factur-x.xml ← eingebettete Rechnungsdaten als XML
Das XML folgt dem UN/CEFACT-Standard „Cross Industry Invoice“. Ein stark vereinfachter Ausschnitt sieht so aus:
<rsm:ExchangedDocument>
<ram:ID>RE-2026-0815</ram:ID> <!-- Rechnungsnummer -->
<ram:TypeCode>380</ram:TypeCode> <!-- 380 = Handelsrechnung -->
<ram:IssueDateTime>
<udt:DateTimeString format="102">20260706</udt:DateTimeString>
</ram:IssueDateTime>
</rsm:ExchangedDocument>
Für den Alltag heißt das: Sie können eine ZUGFeRD-Rechnung in jedem PDF-Reader öffnen und lesen. Software greift stattdessen direkt auf das eingebettete XML zu — ohne Texterkennung, ohne Interpretationsspielraum.
Die ZUGFeRD-Profile: von MINIMUM bis XRECHNUNG
ZUGFeRD definiert mehrere Profile, die festlegen, wie viele strukturierte Daten das eingebettete XML enthält:
| Profil | Inhalt | Erfüllt die E-Rechnungspflicht? |
|---|---|---|
| MINIMUM | nur Eckdaten (Buchungshilfe) | nein |
| BASIC WL | Kopf- und Fußdaten, ohne Rechnungspositionen | nein |
| BASIC | strukturierte Daten inkl. Positionen (EN-16931-Teilmenge) | ja |
| EN 16931 (COMFORT) | vollständiger Kern-Datensatz der Norm | ja |
| EXTENDED | Erweiterungen über die Norm hinaus | ja |
| XRECHNUNG | XML entspricht der XRechnung-Spezifikation | ja |
Zwei Punkte sind wichtig: MINIMUM und BASIC WL gelten nicht als E-Rechnung im Sinne der E-Rechnungspflicht, weil ihnen Pflichtangaben fehlen. Und das Profil XRECHNUNG schlägt die Brücke zwischen beiden Welten: Die PDF trägt ein XML in sich, das der XRechnung-Spezifikation entspricht — hybride Ansicht außen, XRechnung-Daten innen.
ZUGFeRD oder Factur-X — wo ist der Unterschied?
Kurz: Es gibt praktisch keinen. Factur-X ist der französische Name desselben Standards, entwickelt vom deutschen FeRD gemeinsam mit dem französischen Forum FNFE-MPE. Seit ZUGFeRD 2.1 sind beide technisch identisch: gleiche Profile, gleiches eingebettetes XML (factur-x.xml). Eine als Factur-X ausgestellte Rechnung ist also eine ZUGFeRD-Rechnung — und umgekehrt.
Gegenüberstellung
| Merkmal | XRechnung | ZUGFeRD / Factur-X |
|---|---|---|
| Aufbau | reines XML | PDF + eingebettetes XML |
| Für Menschen lesbar | nur mit Viewer | ja (PDF-Ansicht) |
| Norm EN 16931 | ja | ja (ab 2.0.1) |
| Häufig bei | öffentlichen Auftraggebern | B2B allgemein |
ZUGFeRD-Rechnungen ohne Cloud verarbeiten
Ein häufiges Missverständnis: Für die Verarbeitung von ZUGFeRD-Rechnungen sei zwingend ein Cloud-Dienst nötig. Tatsächlich lässt sich das eingebettete XML lokal extrahieren und weiterverarbeiten — der Standard ist offen dokumentiert und bewusst systemneutral. Ob die Verarbeitung in der Cloud oder on-premises läuft, ist eine Architekturentscheidung der eingesetzten Software, keine Vorgabe des Formats. Für Unternehmen mit strengen Datenschutz- oder Compliance-Vorgaben ist das relevant: E-Rechnungen nach ZUGFeRD lassen sich verarbeiten, ohne dass Rechnungsdaten das eigene Haus verlassen müssen.
Was bedeutet das für Ihren Rechnungseingang?
Für den Empfang ist die Antwort einfach: Sie sollten beide Formate verarbeiten können – plus klassische PDFs und Scans, die während der Übergangsfristen weiter eintreffen. Genau das ist die Aufgabe eines guten Rechnungseingangs: unterschiedliche Formate in einen Prozess überführen, statt für jedes Format einen Sonderweg zu pflegen.
Wie SALinvoice alle gängigen Formate in denselben Workflow bringt, lesen Sie auf der Seite Rechnungsformate. Den großen Überblick zu Pflichten und Fristen gibt der Leitfaden zur E-Rechnungspflicht.
Offizielle Quellen
Die Spezifikationen beider Formate stammen direkt von den zuständigen Standard-Trägern:
- XRechnung – KoSIT / XStandards Einkauf: offizieller Standard, betrieben von der KoSIT im Auftrag des IT-Planungsrats.
- ZUGFeRD / Factur-X – Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD): Spezifikation und Profile des hybriden Formats.
- Bundesfinanzministerium (BMF) – FAQ zur E-Rechnung: welche Formate die umsatzsteuerlichen Anforderungen erfüllen.